Und ... wer trägt eigentlich dich?

Dieses sanfte Schnaufen an deiner Brust, so nah an dich gekuschelt, ganz warm. Regelmäßige Atemzüge, die auch dich auf eine zauberhafte Weise beruhigen, die du so vorher nie kanntest.

Vor etwa einer Stunde warst du den Tränen nahe, weil du alles versuchtest, damit dein Baby sich beruhigt. Da es alle immer auf die Blähungen schieben, hast du das Bäuchlein sanft massiert. Hast die kleinen runzligen Füßchen gestreichelt. Die Windel war längst gewechselt und gestillt hast du auch. Und ob das mit den Bauchschmerzen jetzt so stimmt…

Jetzt schläft dieses kleine zarte Wesen zufrieden in deiner Trage, an der frischen Luft ging das ganz schnell. Und für einen, deinen kleinen Moment wagst du, dich hinzusetzen. Schließt die Augen und genießt die Ruhe, dein Kind, dich und einfach nur… sein.

Wir halten, tragen, singen, schmusen, pflegen, trösten, stillen, kochen, spielen im Abenteuer der Prinzessinnen Elsa und Anna den Olaf, lassen uns frisieren, tauchen in die Fantasie der Kleinen mit ein – oft bis zu 11 oder 12 Stunden am Tag. Und viele von uns arbeiten und wuppen ganz nebenher noch Massen an Wäschebergen. Diese kommen, so scheint es mir, gar nicht richtig im Kleiderschrank an, da liegen sie auch schon wieder in der Waschmaschine. Eventuell lassen wir es hier und da noch blitzen und blanken und wehe wir waren nicht an der gesunden frischen Luft. Hab ich den Sport vergessen? Das alles ist selbstverständlich und wir machen es aus Liebe.  

Aber wer trägt eigentlich dich? Wer spricht dir Mut zu, wenn du das Gefühl hast, alles falsch zu machen. Wer tröstet dich nach einem anstrengenden Tag? Was gibt dir Kraft, nach schlaflosen Nächten mit vollem Einsatz in den nächsten Tag zu starten?

 

ELTERN BRAUCHEN UNTERSTÜTZUNG

Als unser erstes Kind geboren wurde, wollte ich alles richtig machen. Ich wollte alles ganz alleine schaffen. An den Grenzen meiner Kräfte angelangt, lernte ich zunehmend, Hilfe anzunehmen und loszulassen, was mir auch heute noch schwerfällt.

Aber wer seinem Kind Geborgenheit geben möchte, muss sich selbst geborgen fühlen. Wer seinem Kind Kraft und Halt gibt, braucht selbst Kraft und Stabilität. Eltern brauchen Unterstützung. Sie brauchen Menschen, die sie in ihrem Handeln bestärken. Sie brauchen Gleichgesinnte, mit denen sie sich austauschen können, ebenso wie Freunde, die sie auf andere Gedanken bringen. Sie brauchen kleine Auszeiten, in denen sie durchatmen und Kraft tanken können. Kein Mensch ist dazu geschaffen, alles alleine zu meistern.

Eine helfende Hand können die Großeltern, die Familie, Freunde oder ein Babysitter sein. Nicht immer geht es darum, das Kind abzunehmen. Manchmal hilft auch eine gekochte Mahlzeit, jemand der diese sich scheinbar selbstfütternden Wäscheberge in die Waschmaschine zaubert oder einfach nur eine stille Umarmung.

 

UNTERSTÜTZT EUCH GEGENSEITIG

Ich sehe dich vor unserem Fenster vorbeispazieren. Du siehst so unfassbar stark aus. Strahlst. Das wäre ich auch gerne! Mit deiner kleinen Tochter an deiner Hand schiebst du den Kinderwagen vor dir her. Deine Große fährt euch mit dem Rad voraus. Wie machst du das nur? Du schaust zu mir herüber, lächelst wissend, nickst. Seit wir hier wohnen, gehen wir aneinander vorbei. Morgen fasse ich mir ein Herz und lade dich zu uns ein.

Leider beobachte ich immer wieder, wie Eltern über andere urteilen, übereinander statt miteinander reden. Wieso unterstützen wir uns nicht einfach gegenseitig? Dabei ist es doch völlig egal, ob du eine Langzeitstillende bist oder deinem Kind von Anfang an das Fläschchen gibst. Ob du dein Kind trägst oder den Kinderwagen gerne nutzt. Ob du nun deinem Kind Brei anbietest oder Baby Led Weaning bevorzugst. Ob du dein Kind früher oder später fremdbetreuen lässt. Letztlich wollen wir alle das gleiche, das Beste für unsere Kinder. Lasst uns den Alltag gemeinsam meistern statt alleine. Das könnte ein gemeinsamer Spielenachmittag sein, an dem wir uns austauschen und vielleicht sogar voneinander lernen. Oder ein Treffen am Mittag: wir wechseln uns mit der Kinderbetreuung und dem Kochen ab.  

 

DEINE EIGENEN OASEN UND RUHEINSELN IM ALLTAG

Nicht immer ist eine helfende Hand zur Stelle. Für das eigene Wohl ist es dennoch unerlässlich, seine kleinen Ruheinseln und Oasen zu schaffen. Das sind ein paar meiner Oasen, die als Anregung dienen können. Vielleicht findest du auch eigene, die zu dir passen?

Wenn die Kinder schlafen, ruhe ich mich aus

Diesen Tipp kennen wohl alle Eltern und doch befolgen ihn die wenigsten. Denn zu viel Chaos wartet in der Wohnung, zu viel Post muss sortiert werden und das Mittagessen kochen keine zauberhaften Hauselfen. Dennoch räume ich mir zumindest ein paar Minuten Zeit ein, in denen ich meine Augen schließe. Beruhigend ist dabei, auf die eigene Atmung zu achten. Was höre ich? Den Atem meines Kindes? Den Sekundenzeiger der Uhr? Das Rauschen der Bäume vor dem Haus?

Ich schalte mein Handy aus

Verführerisch! Jetzt würde ich gern die neuesten Nachrichten checken oder den letzten Instagram-Post meiner Freunde bewundern. Aber das ist nicht wichtig. Es sind unnötige Reize, die Energie ziehen, die ich gerade für mich so unbedingt brauche.

Kraft-Oasen beim Stillen

Auch beim Stillen ist es möglich, sich auf den Moment zu besinnen und dabei Kraft zu tanken. An sehr anstrengenden Tagen, an denen ich kaum Momente der Ruhe finden kann, hilft es mir auch hier, die Augen für eine Weile zu schließen. Ich lasse meine Gedanken an einen Ort schweifen, an dem ich zuletzt besonders glücklich war. Ist es der letzte Urlaub? Der Geruch von Salz und Meer? Hast du vielleicht ganz andere Bilder oder Seelenorte, die vor dem geistigen Auge entstehen? Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt.

Natur und frische Luft sind mein Elixier

Wann immer ich Zeit habe, gehe ich mit meinen Kindern nach draußen. Insbesondere dann, wenn es mir in unserem Haus zu eng wird und ich nur noch sehe, was ich noch alles erledigen muss. Und es hat jedes Mal den gleichen Effekt: die Kinder können ausgelassen laufen und toben. Sie sind entspannter und ich werde es auch.

Vielleicht hast du das Glück, an einem Park, an Feldern oder in der Nähe eines Waldes zu wohnen? Ein kleiner Spaziergang wirkt oft heilsam. Es nimmt dir das Gefühl von Isolation und entspannt auf eine ganz eigene, ursprüngliche Weise.

Ich mache eine Pause

Die ein oder anderen denken sich: Na klar, wie soll das denn gehen? Ich befürchtete zunächst auch, das Chaos breche aus. Aber es funktioniert! Als unser Jüngster ein halbes Jahr alt war, wurde mir bewusst, dass ich etwa 11 Stunden mit zwei kleinen Kindern auf den Beinen bin. Die Nächte waren natürlich auch noch zerpflückt und ich war unendlich müde. Kein Wunder! Irgendwann fing ich dann an, mir eine Pause von einer halben Stunde einzuräumen. Hatte ich unseren Sohn gestillt und er war zufrieden, legte ich mich einfach auf den Boden und schloss die Augen. Das erdet mich ungemein. Unsere damals Zweijährige empfand das zunächst als nicht so prickelnd, wollte sie doch viel lieber „Frozen“ mit mir spielen. Ich erklärte ihr, dass ich mich ausruhe und nach ein wenig Protest akzeptierte sie es. Manches Mal krabbelte mein Sohn über mich oder er legte sich mit dazu. Es funktionierte überraschend oft und gut. Und natürlich gab es auch Momente, in denen ich abbrechen musste. Dennoch ist diese Pause inzwischen ein fest etabliertes Ritual, das mir in unserem Alltag Kraft schenkt.

Es sind oft simple Dinge, die uns das Leben erleichtern. Wir können unseren Kindern die Aufmerksamkeit, die sie so sehr von uns benötigen, nur dann schenken, wenn wir dabei auch auf uns selbst achten. Passt gut auf euch auf! Das seid ihr euch selbst und eurem Kind wert.

Eure Rachel

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